Gedanken

Die Gegenwart – nur ein Augenblick der Ewigkeit.

In dem Mass, in dem wir versuchen unser Leben wieder auf die Mitte hin zu konzentrieren, in dem Mass trägt jeder von uns etwas von einem Mönch in sich.

Nicht Weltflucht ist das Ziel, sondern eine neue Nachdenklichkeit. Es geht um die Erweiterung unserer menschlichen Möglichkeiten. Um die Suche nach mehr Ausgewogenheit von Geist und Herz. Um die Harmonie von Tun und Sein. Und vielleicht auch um die Wiederentdeckung von Verlorenem, welches unverzichtbar ist.

Tag für Tag spüren wir – der eine mehr – der andere weniger: Wir Menschen von heute können nicht mehr innehalten, nicht mehr ausruhen und geniessen.

Wir haben verlernt, uns – bildlich gesprochen – in den Schatten eines Baumes zu setzen. Der Verlust an Herzensruhe ist offenkundig.

Für den Philosophen Heidegger ist der Mensch im Wesentlichen einer, der sich sorgt. Für Augustinus einer, der sich sehnt – nach Erfolg, nach Besitz, nach Zuneigung.

Ein Teufelskreis von Hetze, Flucht und Leere beherrscht unsere Zeit. Kurt Tucholsky hat das furchtbare Wort vom zappelnden Nichtstuer geprägt.

Seit Augustinus wissen wir: Unruhig ist mein Herz, bis es ruht in Dir.

Der Abschied von der Sucht nach dem >Glück< als Alltags-Happyness.

Sucht ist immer verdrängte Sehnsucht, sagt der Benediktiner Anselm Grün.

Die wichtigste Stunde ist immer die Gegenwart, sagen die Mönche.

Die Mönche sagen uns: einer der Gründe, warum wir uns oft unbehaglich fühlen, liegt darin, dass wir entweder der Vergangenheit nachgrübeln oder uns Sorgen um die Zukunft machen.

Vergangenheit und Zukunft essen den Augenblick auf, schreibt der aus Wien stammende Benediktiner David Steindl-Rast.

Die Zeit ist wertvoll aber nicht knapp, sagen die Mönche. Und Chronos, die Uhrzeit, weniger wichtig als Kairos, die rechte Zeit. Der heilige Augenblick.

Ein Eremit sagt: ein sicheres Zeichen, dass etwas nicht von Gott kommt, ist die Unruhe. Und zitiert einen der alten Wüstenväter: ich habe oft bedauert, geredet zu haben. Nie aber habe ich bedauert, geschwiegen zu haben.

Eine wunderbare Geschichte alter Wüstenväter. Zu einem einsamen Mönch kamen eines Tages Besucher. Sie fragten ihn: Welchen Sinn hat das Leben in der Stille? Der Mönch war eben dabei, Wasser aus einer tiefen Zisterne zu schöpfen. Er sagte: Schaut in die Zisterne! Was seht ihr? Die Leute blickten in die tiefe Zisterne: Wir sehen nichts. Nach einer kurzen Weile forderte der Mönch seine Besucher wieder auf: Schaut in die Zisterne! Was seht ihr? Die Leute blickten wieder hinunter. Ja, jetzt sehen wir uns selber! Der Mönch sprach: Schaut, als ich vorhin Wasser schöpfte, war das Wasser unruhig. Jetzt ist das Wasser ruhig. Das ist die Erfahrung der Stille: Man sieht sich selbst!

Auszüge aus dem Buch „Der Mönch in mir“
von Prof. Heinz Nussbaumer

"Es gibt immer noch eine andere Möglichkeit"
Leonardo da Vinci 1500 n.Chr.

"Quäle dich nicht mehr … verachte den Leib, als ob du im Sterben liegen würdest. Er besteht nur aus Blut, Knochen und ein Netz von Nerven, Venen und Arterien … Erwäge dies: du bist ein alter Mann … Erinnere dich … wie oft haben dir die Götter Möglichkeiten geboten, und du hast sie nicht genutzt. Jetzt musst du das Universum erkennen, von dem du ein Teil bist … und sehen, dass deine Zeit begrenzt ist, und wenn du sie nicht nutzt, um die Wolken aus deinem Geist zu vertreiben, wird sie vergehen, und du wirst auch vergehen - und die Gelegenheit ist für immer vertan"
>Selbstbetrachtung< Marc Aurel 150 n.Chr.